An die Beef

Beef Ausgabe 5/2014

Liebe Kollegen bei der Beef,

ich stehe voll auf Euer Heft. Jede Ausgabe halte ich mit beiden Händen fest, trage sie mit gemäßigtem Schritt die Treppe hoch, befreie den Esstisch von Schutt und widme mich voller Andacht der Lektüre. So geschieht das seit geraumer Zeit. Ich fühle mich großartig, nur vom Lesen Eurer Zeitschrift.

Dann Eure famose Ausgabe Nr. 5/2014. Das 5 Jahre Jubiläums-Heft. Schwarzes Cover mit zwei gigantischen Stücken Bauchspeck. Goldfarbener Sonderdruck. Ein Bericht über Kobe-Rinder. Ein fleischgewordener Traum für Nahrungsfetischisten wie mich. Ich ging beim Lesen auf die Knie, zog Seidenhandschuhe an, um bloß keine Seite zu knicken.

Dann kam Seite 21. Eine Deichmann-Anzeige. Lassen wir es uns auf der Zunge zergehen: Eine Deichmann-Anzeige. Nein, nicht von der Metzgerei Deichmann, sondern vom Schuhladen Deichmann. Diesem Laden, der so herrlich nach billigem Leder, Kunstleder und Gummi stinkt. Diesem Laden, in dem ich für den Preis EINES Kobe-Steaks das halbe Inventar kaufen kann. Mal davon abgesehen, dass ich lieber ein Kobe-Steak vergammeln lassen würde, als auch nur einen einzigen Deichmann-Schuh anzuziehen.

OK, mir ist klar ihr müsst Euer Geld verdienen. Das ist in der heutigen Zeit in der Zeitschriftenwelt alles andere als einfach. Sehe ich ein. Ich kann mich auch mit der echt brutal hohen Anzeigenquote im Heft, den 5 Eigenanzeigen und den elendigen Männerfeuchtigkeitscreme-Pröbchen anfreunden. Aber bitte nie wieder Deichmann. Wollt ihr in der nächsten Ausgabe auch noch Penny, Lidl oder Aldi mit aufnehmen? Bitte, bitte tut das nicht. Erhöht lieber den Abopreis. Nur lasst mir die Illusion einer heilen Welt, während ich Euer Heft lese.

 

Liebe Lokführer

Liebe Lokfürer,

lieben Dank für Euren Streik heute Abend zwischen 18 und 21 Uhr.

Ich verstehe vollkommen, dass Ihr Gründe habt zu streiken. Ich bin auch vollkommen überzeugt, dass es gute Gründe sind.
Ok, ich bin mir nicht sicher, ob die Profilierungssucht Eurer Gewerkschaft ein guter Grund ist, aber das sollen mal andere entscheiden.

Was ich nicht verstehe ist Eure Systematik. Wir Bahnkunden bezahlen Euch.
Mein Monatsticket von Endersbach nach Feuerbach leistet einen Beitrag zu Eurem Gehalt. Ich bin auch nicht, der der Euch zu wenig Kohle zahlt. Ich bin der, der am Bahnsteig stehen bleibt, weil eine Signalstörung vorliegt, oder Bauarbeiten sind, oder Signalstörung vorliegt, oder ein Zug einen Motorschaden hat, oder eine Signalstörung vorliegt, oder die Türen nicht zu gehen, oder eine Signalstörung vorliegt oder die Türen nicht aufgehen oder eine Signalstörung vorliegt oder ihr streikt.

Wenn ich das jetzt mal zusammenfasse und aufs Jahr betrachte. Ein guter Teil Eurer Leistung, mit Eurer seid ihr Lokführer und die Bahn, bzw. S-Bahnen gemeint, für die Ihr bezahlt werdet erbringt Ihr nicht oder nur mangelhaft. Einen guten Teil rechnet und argumentiert ihr Euch noch schön. Aber zurück zum Thema. Aus Kundensicht gesehen bezahle ich gutes Geld für eine viel zu oft bescheidene Leistung und werde jetzt noch als Druckmittel ausgenutzt. Mein Feierabend wird versaut, obwohl ich nicht der Mensch bin, der Euch das Gehalt auszahlt, sondern der bin, der für Eure Leistung und Nichtleistung zahlt.

Also bitte nicht wundern, wenn ich mich verarscht fühle. Ohne jetzt in die Details des Tarifstreits einzutauchen und Fakten oder Meinungen auszutauchen. Es geht gar nicht, mit Euren Streiks die zu treffen, die weder im Tarifstreit mit wirken, noch der Auslöser sind. Ich bin nur der Kunde, nicht die Ursache für Euer Problem. Also nicht bitte nicht wundern, wenn Ihr in meiner Sympathie sinkt und ich das ausdrücke.

Bevor ihr weiter streikt überlegt mal das. Was wenn wir Bahnfahrer streiken würden und aufs Auto umstiegen. Wisst ihr was dann? Ahoi Hartz 4, ihr Arschlöscher!.

 

Viel Gebell bei Juwelier Kötter

Rainer ist Internetshopper aus Leidenschaft. Daher war es für ihn nur konsequent, auch den Verlobungsring für mich online zu bestellen. Schon vor einigen Monaten hatten wir uns beim Juwelier Christ in Stuttgart über Trauringe informiert, uns die Gretchenfrage Silber oder Gold gestellt und bei dieser Gelegenheit auch unsere Ringgrößen der rechten Hand ermitteln lassen. Der Verlobungsring, man trägt ihn ja links, sitzt nun leider etwas locker. Engermachen beim Internetverkäufer verlobungsringe.de kein Problem, aber in welche Größe? Also bin ich beim österlichen Einkauf geschwind zu Juwelier Kötter im Zentrum von Weinstadt rein. Der Mitarbeiterin habe ich offen und ehrlich gesagt, wie es ist: Verlobungsring bekommen, leider etwas zu groß, und ob man mir bitte meine Ringgröße vom Ringfinger links messen könnte. Darauf die Verkäuferin: “Ist der von uns?” Ich: “Nein.” Sie: “Da muss ich fragen.” Sie rief die Chefin und verschwand. Die Chefin erklärte mir, dass sie das nicht machen werde. Sie kümmere sich selbstverständlich um ihre Kunden. Aber nicht um Leute, die im Internet bestellen. Auch wenn ich das mit keinem Wort erwähnt hatte, ging sie davon aus. Sie echauffierte sich, dass ständig Leute, die im Internet bestellen, mit ihren Problemen zu ihr kommen und sich dann nachher auch noch bei ihr beschweren würden, wenn der Ring nicht passe und dann wäre sie schuld. Und überhaupt hätten Internetanbieter ganz andere Maße, das ginge sowieso nicht, das müsse dann schon der Verkäufer im Internet ausmessen. Die Chefin ging quer durch den Laden und ließ mich einfach stehen. Ich ging ihr nach und sagte ihr, dass es den Ring ja schon gäbe, er also nicht mehr falsch bestellt werden kann und außerdem Rainers Mutter gerade im Begriff sei, ein neues Lederarmband für ihre Uhr zu kaufen, das sie nicht gekauft hätte, wenn ich nicht zum Juwelier gewollt hätte. Wir waren also nicht nur als Schnorrer da. Aber keine Chance. Sie wurde dann auch etwas lauter bei ihrem wiederholten “nein, das machen wir nicht” und lief dabei wieder quer durch den Laden. Wunderbare Show auch für die anderen Kunden.

Was soll ich sagen. Ich verstehe auf der einen Seite ja ihre Position. Mehr und mehr Leute kaufen lieber (und vielleicht auch preiswerter) im Internet, statt beim Juwelier im Ort. Auf der anderen Seite glaube ich nicht, dass es der richtige Weg ist, die Leute, die – mit welchem Anliegen auch immer – in den Laden kommen, so auflaufen zu lassen und vor versammelter Menge absolut unfreundlich zu behandeln. Davon geht das Internet auch nicht wieder weg. Im Gegenteil. Einzelhändler können aufgrund der Macht des Internets doch nur noch mit persönlicher Ansprache, Freundlichkeit und perfektem Service überzeugen. Statt mir also vorzuhalten, ich sei doch selbst schuld, wenn ich im Internet und nicht beim Juwelier vor Ort kaufe und müsse das nun selbst ausbaden, hätte sie mir sehr gut zeigen können, was guter Service ist und sich bei mir als die bessere Alternative empfehlen. Den Verlobungsring besitze ich, das Geschäft war nicht mehr zu gewinnen. Aber wer einen Verlobungsring hat, der braucht irgendwann auch Eheringe. Und da ich ja schon den ersten negativen Aspekt vom Ringekauf im Internet erfahren hatte – kein Anprobieren und Anpassen des Rings vor dem Kauf – wäre es durchaus möglich gewesen, mich dafür zu begeistern, die Eheringe eben nicht auch noch online zu bestellen. Und so wird es auch sein. Die Eheringe werden wir bei einem Juwelier kaufen. Vielleicht bei Christ oder Wempe in Stuttgart. Bei beiden Juwelieren wurden wir sehr gut und sehr freundlich beraten – mit Messen der Ringgröße. Nur bei Kötter in Weinstadt, dort werden wir unsere Ringe hundertprozentig nicht kaufen. Beim Verlassen des Ladens habe ich mich umgedreht und genau das der Chefin zugerufen.

Fahrgast verschaukeln oder wie beim VVS aus einer Kurzstrecke ein 2-Zonen-Ticket wird

In Bad Cannstatt habe ich gestern entdeckt, wie die Bahn bzw. der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) ganz easy
eine Fahrpreiserhöhung um 216 Prozent hinbekommt. Und das geht so.
Ich will von Bad Cannstatt zum Hauptbahnhof mit der S-Bahn. Am DB-Ticket-Automaten drücke ich VVS. Im VVS-Menü muss ich mein Ziel oder die Art des Tickets wählen.
Sehr benutzerfreundlich wird mir Hauptbahnhof-City direkt als Auswahl-Taste angeboten. Ich wähle diese Option aus und stutze: 2 Zonen und ein Preis von 2,60 Euro.
Moment mal, ich weiß doch, dass der Weg unter die Kurzstrecke fällt. Alles zurück.
Ich klicke Kurzstrecke an und siehe da, neben zwei anderen Haltestellen ein Treffer bei Hauptbahnhof. Ein weiterer Klick, der Tarif heißt nun Kurzstrecke und der Preis liegt nur noch bei 1,20 Euro.

Fakt ist also: Wer sich mit den Tarifen nicht auskennt, zahlt mehr als den doppelten Preis. Und das gleiche Spiel beim Rückweg nochmal. Nur dass ein Fremder am Hauptbahnhof wohl in den VVS-Zielen nach Bad Cannstatt sucht und so zu seinem 2-Zonen-Ticket kommt. Laut Zonenplan liegen Hauptbahnhof und Bad Cannstatt tatsächlich in zwei verschiedenen Zonen (10 und 20), trotzdem gilt der Streckenabschnitt als Kurzstrecke. Einen entsprechenden Hinweis oder gar eine Weiterleitung zum viel günstigeren Ticket sucht der Kunde leider vergeblich.