Brezel-Studie Teil 2: Der Weller

Die Weller-Brezel

Gestern im Besen brach ein Glaubensstreit los, als ich die Diskussion um die beste Brezel in Weinstadt anschnitt. Schreiber, Weller oder Mack? Oder sonst wer?

Heute widmen wir uns der Brezel vom Weller. Sie ist der Gegenentwurf zur SCHREIBER-Brezel. Nur um die 80 Gramm schwer und heterogen geflochen. Manche mit etwas dickeren und manche mit schlankeren Schlingen. Insgesamt leicht, fluffig und mit einem deutlichen Laugen- und Salzgeschmack. Sie kommen frisch gebacken aus dem Miwe Condo noch warm über die Theke. Ist die SCHREIBER-Brezel der King Kong der Brezeln, dann könnte man die Weller-Brezel mit der leichtfüßigen Eleganz eines Ronaldinho vergleichen.

Am besten noch warm und mit ordentlich Butter genießen. Großes Schwaben-Kino.

Weinstädter Brezel-Studie: Bäcker Schreiber

In meinem letzten Job gab es ein Freitags-Ritual: “Der süße Freitag”. Bei diesem Titel dachte ich an Mohnschnecken, Rosinenbrötchen und Streuselkuchen zum Frühstück. Eben all die leckeren Süßigkeiten, die in den Auslagen einer anständigen Bäckerei so umherturnen. Weit gefehlt. Meine schwäbischen Kolleginnen und Kollegen zelebrierten den “Süßen Freitag” mit Laugenbreuzeln. Besser gesagt mit Butterbrezeln, was Laugenbrezel mit Butter sind. Über sprachliche Wirrungen denke ich hier im Südwesten schon länger nicht mehr nach und gab mich der Faszination Butterbrezel hin.

Neulich führte ich in einem Besen eine beherzte Diskussion mit einem alteingesessenen Endersbacher, ob nun der SCHREIBER oder der Weller die besten Brezeln macht. Wenn etwas für den SCHREIBER-Brezel spricht, dann ist es seine Präsenz. Selten sah man einen stattlicheren Vertreter der Brezel-Innung. Locker über 100g schwer und sauber geflochten. Rein von der Erscheinung her ist er der absolute Platzhirsch auf dem Frühstückstisch. Dichter Teig, der den Mund bei jedem Bissen auszufüllen scheint, macht rigoros Schluss mit Low-Carb-Bemühungen. Die SCHREIBER-Brezel ist eine gebackene Kampfansage an all die Herausforderungen des Tages. Wer morgen so ein Teil verputzt macht seinen Mitmenschen klar, dass er für die größten Herausforderungen gerüstet ist.

Was dieser Brezel fehlt ist das Filigrane. Die Finesse. Moment mal, mag der geneigte Betrachter einwerfen. Der King Kong der Brezel wird nie mit feingliedrigen Gemschacksnuancen punkten, sondern mit blanker, purer, roher Brezel-Power. Und das ist mein einziger Kritikpunkt. Auf die Dauer ist die SCHREIBER-Brezel etwas eindimensional in ihrer Erscheinung. Wenn ich mir nicht den Wanst vollschlagen will, fehlt es ihr etwas an Input für die Geschmacksknospen.

Das ist jetzt Jammern auf hohem Niveau, aber für den Thron des Brezel-Königs reicht es leider nicht.