Viel Gebell bei Juwelier Kötter

Rainer ist Internetshopper aus Leidenschaft. Daher war es für ihn nur konsequent, auch den Verlobungsring für mich online zu bestellen. Schon vor einigen Monaten hatten wir uns beim Juwelier Christ in Stuttgart über Trauringe informiert, uns die Gretchenfrage Silber oder Gold gestellt und bei dieser Gelegenheit auch unsere Ringgrößen der rechten Hand ermitteln lassen. Der Verlobungsring, man trägt ihn ja links, sitzt nun leider etwas locker. Engermachen beim Internetverkäufer verlobungsringe.de kein Problem, aber in welche Größe? Also bin ich beim österlichen Einkauf geschwind zu Juwelier Kötter im Zentrum von Weinstadt rein. Der Mitarbeiterin habe ich offen und ehrlich gesagt, wie es ist: Verlobungsring bekommen, leider etwas zu groß, und ob man mir bitte meine Ringgröße vom Ringfinger links messen könnte. Darauf die Verkäuferin: “Ist der von uns?” Ich: “Nein.” Sie: “Da muss ich fragen.” Sie rief die Chefin und verschwand. Die Chefin erklärte mir, dass sie das nicht machen werde. Sie kümmere sich selbstverständlich um ihre Kunden. Aber nicht um Leute, die im Internet bestellen. Auch wenn ich das mit keinem Wort erwähnt hatte, ging sie davon aus. Sie echauffierte sich, dass ständig Leute, die im Internet bestellen, mit ihren Problemen zu ihr kommen und sich dann nachher auch noch bei ihr beschweren würden, wenn der Ring nicht passe und dann wäre sie schuld. Und überhaupt hätten Internetanbieter ganz andere Maße, das ginge sowieso nicht, das müsse dann schon der Verkäufer im Internet ausmessen. Die Chefin ging quer durch den Laden und ließ mich einfach stehen. Ich ging ihr nach und sagte ihr, dass es den Ring ja schon gäbe, er also nicht mehr falsch bestellt werden kann und außerdem Rainers Mutter gerade im Begriff sei, ein neues Lederarmband für ihre Uhr zu kaufen, das sie nicht gekauft hätte, wenn ich nicht zum Juwelier gewollt hätte. Wir waren also nicht nur als Schnorrer da. Aber keine Chance. Sie wurde dann auch etwas lauter bei ihrem wiederholten “nein, das machen wir nicht” und lief dabei wieder quer durch den Laden. Wunderbare Show auch für die anderen Kunden.

Was soll ich sagen. Ich verstehe auf der einen Seite ja ihre Position. Mehr und mehr Leute kaufen lieber (und vielleicht auch preiswerter) im Internet, statt beim Juwelier im Ort. Auf der anderen Seite glaube ich nicht, dass es der richtige Weg ist, die Leute, die – mit welchem Anliegen auch immer – in den Laden kommen, so auflaufen zu lassen und vor versammelter Menge absolut unfreundlich zu behandeln. Davon geht das Internet auch nicht wieder weg. Im Gegenteil. Einzelhändler können aufgrund der Macht des Internets doch nur noch mit persönlicher Ansprache, Freundlichkeit und perfektem Service überzeugen. Statt mir also vorzuhalten, ich sei doch selbst schuld, wenn ich im Internet und nicht beim Juwelier vor Ort kaufe und müsse das nun selbst ausbaden, hätte sie mir sehr gut zeigen können, was guter Service ist und sich bei mir als die bessere Alternative empfehlen. Den Verlobungsring besitze ich, das Geschäft war nicht mehr zu gewinnen. Aber wer einen Verlobungsring hat, der braucht irgendwann auch Eheringe. Und da ich ja schon den ersten negativen Aspekt vom Ringekauf im Internet erfahren hatte – kein Anprobieren und Anpassen des Rings vor dem Kauf – wäre es durchaus möglich gewesen, mich dafür zu begeistern, die Eheringe eben nicht auch noch online zu bestellen. Und so wird es auch sein. Die Eheringe werden wir bei einem Juwelier kaufen. Vielleicht bei Christ oder Wempe in Stuttgart. Bei beiden Juwelieren wurden wir sehr gut und sehr freundlich beraten – mit Messen der Ringgröße. Nur bei Kötter in Weinstadt, dort werden wir unsere Ringe hundertprozentig nicht kaufen. Beim Verlassen des Ladens habe ich mich umgedreht und genau das der Chefin zugerufen.

Seifen Lenz

Mein neuer  Lieblingsladen für alles aus dem Haushalt in Stuttgart Mitte. Genauer gesagt in der Esslinger Straße 24.

Was findest Du bei Seifen Lenz? Kerzen, Farben, Seifen, Rasierklingen, Bürsten, Dünger, Insektengift und und und. Der Laden ist aus mehreren Gründen der absolute Hammer:

  1. Mehr Ware pro Quadratdezimeter ist nicht mehr möglich!
  2. Die “Oma” im Laden weiß dann auch noch milimetergenau wo sich was befindet. Die Amazon-Logistiker würden in die Knie gehen vor Ehrfurcht.
  3. Die “Oma” weiß auch noch wofür das Zeug gut ist.

Ich habe einen Pinsel gesucht um Sohlenöl auf die Sohlen meiner neuen Lederschuhe aufzutragen und ich wurde grandios beraten. Jetzt besitze ich

  • einen Pinsel für das Sohlen-Öl (wunderbares Wort),
  • einen Roßhaarpinsel für Deckleder
  • die passende Schuhcreme oder Schuhwixxe (noch so ein wunderbares Wort, das ich da gelernt habe) und
  • die komplette Speick-Herren-Collection als Pröbchen.

Das könnte ich natürlich auch alles bei Obi, Müller oder sonstwem bekommen. Aber was ich bei den Ketten nicht bekomme ist das verdammt gute Gefühl, dass sich dort jemand auf mich als Kunden gefreut hat. Dass sich jemand freut, einem geholfen zu haben. Und genau darum fahre ich wieder von Weinstadt nach Stuttgart, um mir bei Seifen Lenz Haushaltskleinkram zu kaufen.